Beinahe jeder Vierte ab 65 Jahren in Deutschland ist 2022 mindestens einmal gestürzt, ab 80 Jahren sogar jeder Dritte.1 Wenn das Gehen zunehmend zur Belastung wird, schränkt das Betroffene nicht nur in ihrer Mobilität ein: Wer sich beim Aufstehen oder Treppensteigen unsicher fühlt, vermeidet häufig Wege und verliert mit der Zeit an Selbstständigkeit. Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, gegenzusteuern, bevor sich Vermeidungsverhalten und Bewegungsmangel verfestigen.
Anzeichen veränderter Gangsicherheit
Eine Gangunsicherheit entwickelt sich meist schleichend und wird oft erst dann bemerkt, wenn das Gangbild bereits erkennbar verändert ist. Drei Muster treten besonders häufig auf.
- Breitbeiniges Gehen ist ein Versuch des Körpers, die Standfläche zu vergrößern, um das Schwanken zu verringern. Es wirkt unbeholfen, ist aber zunächst eine sinnvolle Kompensation.
- Schlurfen entsteht, wenn die Füße nicht mehr ausreichend angehoben werden. Durch die fehlende Bodenfreiheit können bereits Teppichkanten oder Türschwellen zur Stolperfalle werden.
- Beim Trippelgang werden die Schritte sehr kurz und unregelmäßig, oft kombiniert mit einer leicht nach vorn geneigten Haltung. Dieses Muster tritt typischerweise bei Parkinson auf, kann aber auch unspezifisch im hohen Alter vorkommen.
Begleitend berichten viele Betroffene von Schwindel oder dem Gefühl, den Bodenkontakt zu verlieren. Charakteristisch ist, dass die Unsicherheit bei schlechtem Licht oder im Dunkeln zunimmt: Die visuelle Orientierung, die der Körper zur Stabilisierung nutzt, fällt weg.
Aus der wiederholten Erfahrung von Unsicherheit entsteht häufig eine ausgeprägte Sturzangst. Betroffene ziehen sich zurück, vermeiden Spaziergänge, Treppen oder alltägliche Aktivitäten, die früher selbstverständlich waren – und verlieren dadurch nach und nach Beweglichkeit und Selbstvertrauen. Dieser Prozess lässt sich als Teufelskreis aus Verunsicherung, sinkendem Wohlbefinden und körperlichem Abbau beschreiben: Wer sich aus Angst weniger bewegt, verliert Muskelkraft und Gleichgewicht und erhöht damit das tatsächliche Sturzrisiko weiter.2 Sturzangst gilt deshalb als eigenständiger Risikofaktor, der ernst genommen werden sollte.
Was verursacht Gangunsicherheit?
Gerade bei älteren Menschen liegt selten nur eine einzelne Ursache vor. In der Fachsprache wird dann von einer multifaktoriellen Gangstörung gesprochen: Mehrere Auslöser kommen zusammen und verstärken sich gegenseitig.
Altersbedingte Veränderungen
Mit den Jahren baut Muskelmasse ab, ein Vorgang, der medizinisch als Sarkopenie bezeichnet wird. Die Beine stützen das Körpergewicht weniger stabil, schon kürzere Strecken ermüden. Gleichzeitig reagieren die Reflexe langsamer, weil die Reizweiterleitung im Nervensystem nachlässt. Wer stolpert, kann sich schwerer abfangen. Auch die Veränderung der Sinne kann Gangunsicherheit begünstigen: Eine schwächere Sehkraft erschwert die Orientierung im Raum, ein nachlassendes Gleichgewichtsorgan im Innenohr macht es schwieriger, kleine Schwankungen auszugleichen.
Orthopädische Probleme
Arthrose in Knie oder Hüfte kann das Gangbild über Schmerzen und Schonhaltungen verändern. Auch Erkrankungen der Wirbelsäule – etwa Bandscheibenvorfälle – können Schmerzen, Muskelschwäche oder ein Schweregefühl in den Beinen verursachen, was die Gangsicherheit beeinträchtigen kann.
Neurologische Erkrankungen
Bei Parkinson entwickelt sich typischerweise ein kleinschrittiger, schlurfender Gang. Eine Polyneuropathie führt dazu, dass die Füße ihre Position schlechter wahrnehmen. Betroffene berichten oft, der Boden fühle sich gedämpft oder taub an, wie bei besonders dicken Schuhsohlen. Nach einem Schlaganfall ist meist ein hemiparetisches Gangbild zu beobachten, bei dem ein Bein wegen einer Halbseitenlähmung mühsam nach vorn geführt wird. Erkrankungen oder Schädigungen des Kleinhirns äußern sich in einem ataktischen Gang mit breiter Spurführung und unkoordinierten Bewegungen.
Nicht jede Gangunsicherheit ist Folge einer fortgeschrittenen Erkrankung. Wer eine zunehmende Unsicherheit beim Gehen bei sich selbst oder bei Angehörigen bemerkt, sollte auch alltägliche Faktoren prüfen. Manche Medikamente – etwa Blutdrucksenker, Schlaf- oder Beruhigungsmittel – können Schwindel oder Benommenheit verursachen. Im Alter stellt sich durch das abnehmende Durstempfinden häufig Flüssigkeitsmangel ein, was Kreislauf und Konzentration beeinträchtigen kann. Offene Pantoffeln ohne Halt im Fersenbereich sind eine der häufigsten Ursachen für Stolpern in den eigenen vier Wänden; seniorengerechte Schuhe können hier helfen.
Was im Alltag bei Gangunsicherheit hilft
Die Sicherheit beim Gehen lässt sich an mehreren Stellen verbessern: gezieltes Training, der Einsatz geeigneter Hilfsmittel und Anpassungen im Wohnumfeld sind geeignete Maßnahmen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.
Training und Physiotherapie gehören zu den wichtigsten Bausteinen. Studien zeigen, dass geeignete Trainingsprogramme aus Kraft-, Gleichgewichts- und funktionellen Übungen die Sturzrate deutlich senken können – je nach Programm und Personengruppe teils um etwa ein Drittel.3 Internationale Auswertungen über mehr als 25.000 untersuchte Personen bestätigen diese Größenordnung.4 Wichtig ist Regelmäßigkeit: Empfohlen wird Training mindestens zweimal pro Woche über mindestens drei Monate. Physiotherapeutische Begleitung ist besonders nach Stürzen oder bei neurologischen Erkrankungen wichtig, weil die Übungen dann auf die individuellen Defizite abgestimmt werden müssen.
Mobilitätshilfen geben Halt, wo die eigene Stabilität nachlässt. Ein Gehstock oder eine Unterarmgehstütze eignet sich für leichte Unsicherheiten, etwa bei einseitiger Belastungsschwäche, und lässt sich gut mitführen. Ein Rollator bietet großflächigen Halt, weil er auf vier Rädern steht und sich abbremsen lässt. Die meisten Modelle haben eine Sitzfläche für Pausen und einen Korb für Einkäufe, weshalb sie gerade auf längeren Wegen außer Haus eine sinnvolle Wahl sind. Für Wege innerhalb der Wohnung bevorzugen viele Menschen einen Indoor-Rollator, der wendiger und kompakter ist.
Anpassungen im Wohnumfeld können das Sturzrisiko senken. Lose Teppiche sollten mit Anti-Rutsch-Matten gesichert oder ganz entfernt werden, auch das Fixieren von Kabeln an den Wänden hilft. Haltegriffe an Toilette, Dusche und Badewanne geben festen Halt an genau den Stellen, an denen Stürze besonders oft passieren – das Bad gehört zu den unfallträchtigsten Bereichen der Wohnung. Mit gezielten Hilfsmitteln lässt sich die Sicherheit im Bad erhöhen, ohne dass größere Umbauten nötig sind. Auch die Wahl des Schuhwerks sollte geprüft werden: feste, geschlossene Hausschuhe mit rutschfester Sohle sind sicherer als die klassischen Pantoffeln.
Solche Maßnahmen sind besonders wirksam, wenn sie mit Bewegungsförderung kombiniert werden – einseitige Vorsicht kann zu Vermeidungsverhalten führen und damit den körperlichen Abbau beschleunigen.5
Sicherheit beim Gehen unterstützen
Eine Gangunsicherheit verändert den Alltag oft an vielen kleinen Stellen – beim Gang ins Bad, beim Treppensteigen, beim Einkaufen. Welche Hilfsmittel davon spürbar entlasten, hängt von der jeweiligen Situation ab. Bei Rehavibe finden Sie ein Sortiment, das auf den Senioren- und Pflegebereich ausgerichtet ist, darunter Haltegriffe und Duschhocker für das Bad, Rollatoren für Wege außer Haus und Lösungen zur Wohnraumanpassung. Wenn Sie unsicher sind, welches Hilfsmittel zu Ihrer Situation passt, hilft Ihnen unsere Beratung gerne weiter.